Alles nur geklaut?

Die Unterhaltungsindustrie wird nicht müde, über Tauschbörsen zu jammern. Doch sind sie so viel besser?
Den Umsätzen schaden sie angeblich, die Tauschbörsen, auf denen kriminelle User Musiken und ganze Filme austauschen. Mittlerweile sind diese P2P-Netzwerke zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt worden. Die Einflussnahme auf die Politik, rigidere Gesetze zu erlassen, ist dementsprechend hoch. Doch wie sieht denn die andere Seite aus? Ist die Unterhaltungsindustrie wirklich das Opfer, in dessen Rolle sie sich so gerne präsentiert?
An diesem Heiligenschein kratzen immer wieder Gerüchte über Plagiate. Das jüngste Gerücht beschreibt heute Spiegel Online in dem Artikel "Geklaute Katastrophe?". Der Harward-Professor Ubaldo DiBenedetto hatte 1993 demnach unter dem Pseudonym Kyle Donner das Buch "Polar Day 9" veröffentlicht. Seiner Aussage nach decken sich viele Teile des Buches mit dem Film "The Day After Tomorrow" von Roland Emmerich. Tatsächlich hatte er 1998 das Buch auch Roland Emmerich zukommen lassen, wurde jedoch abgelehnt. Jetzt sprechen die Anwälte.
Und das ist wohl nicht das Einzige, was Emmerich für den Film “raubkopiert” haben könnte. Im Internet fand ich jedenfalls einen Forum-Eintrag von Thomas Thiemeyer, der sich darüber wundert, dass ein Bild von ihm, das 1997 im Ravensburger Verlag erschien, eine frappierend hohe Ähnlichkeit mit einer Szene aus “The Day After Tomorrow” aufweise, bis hin zu einem kleinen gelben Zelt und Wissenschaftlern, die dort herumlaufen. Ein bloßer Zufall? Die Produktionsfirma Centropolis behaupte das jedenfalls.
Man sollte eigentlich meinen, dass die Unterhaltungsindustrie selbst ein Vorbild dafür sein muss, wie man mit geistigem Eigentum umgeht. Wenn sie jedoch Urheberrechtsverstöße gegen sich bekämpfen, sich selbst aber tatsächlich das Recht des Stärkeren herausgenommen haben sollten, Urheberrechtsverstöße zu begehen, brauchen sie sich nicht wundern, wenn man sie nicht ernst nimmt. Jedenfalls wird es sehr interessant, diese Angelegenheit weiter zu verfolgen.
Danke an Thomas Thiemeyer für seine Erlaubnis, sein Bild hier abbilden zu dürfen.
