Hauptsache Verboten!
Ich bin zurück von meinem Kurzausflug in unsere Hauptstadt Berlin, mit genug Inspirationen im Gepäck, um für die nächsten Tage meinen Blog zu füllen. So besuchte ich zum Beispiel das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, welches sich in der Nähe des Brandenburger Tors befindet.
Es ist schon ein beeindruckendes Kunstwerk. Von Außen betrachtet wirkt es eher flach, gleichmäßig und unspektakulär. Wenn man es jedoch betritt, verändert es seinen Charakter völlig.
So ist der Boden zwischen den 2711 Stelen nicht ebenerdig, sondern abschüssig. Beim Betreten des Denkmals steht man also bereits nach wenigen Schritten mitten in den Betonquadern, die viel größer sind als man selbst und einem die Sicht nehmen. Man kann nur noch in vier Richtungen wieder nach außen sehen.
Das beklemmende Gefühl wird zusätzlich verstärkt, weil die Stelen einen leichten Winkel haben und auf den Betrachter zuzustürzen scheinen. Der Beton, aus dem die Würfel sind, wirkt kalt, glatt und grau. Insgesammt ist es ein deprimierender Ort, der tatsächlich zum Denken anregt.
Wobei ich mich – ehrlich gesagt – fragte, was der Künstler denn nun eigentlich mit dem Kunstwerk ausdrücken wollte. Gewiss, es wirkt beklemmend, und dass die Tiefe von Außen nicht sichtbar ist, mag auch die eine oder andere Interpretation erlauben. Aber warum sind es ausgerechnet 2711 Stelen? Warum diese Quaderform? Wo ist nun genau der Bezug zu den Juden, die im zweiten Weltkrieg ermordet wurden?
Nirgendwo fand ich einen Hinweis darauf. Noch nicht einmal einen Hinweis, was das Denkmal denn überhaupt darstellen soll. Ein unvorbereiteter Berlintourist kann mit dem Denkmal sicherlich gar nichts anfangen. Es gibt noch nicht einmal einen Hinweis auf das unterirdische Museum auf dem Gelände. Ich habe davon selbst erst zu Hause bei einem Blick in den Wikipedia-Artikel erfahren.
Was es dagegen alle paar Meter an dem Außenrand gibt, ist eine Steintafel, die in den Boden eingelassen ist und immer den gleichen Text trägt. Was steht drauf? Typisch Deutsch: Es ist ein Verbotsschild, das genau regelt, wie sich der Besucher in dem Mahnmal zu verhalten hat.
Very German
Wenn das Verteilen von Anschissen eine olympische Disziplin wäre, hätte Deutschland die Goldmedallie absolut sicher.
Mein Flug von Köln nach London am letzten Donnerstag zeigte dies wieder einmal sehr beeindruckend. Ich war keine viertel Stunde am Kölner Flughafen und hatte bereits meinen ersten Anschiss von einem Passkontrolleur hinter mir.
Er saß in einer Bude, über der ein Schild “PASSKONTROLLE” angebracht war. Daneben war eine kleine Grafik, welche “nicht-EU-Bürger” symbolisierte. Da ich Bürger der EU bin, nahm ich naiverweise an, dass ich mich der Passkontrolle demnach nicht unterziehen müsse. Der Herr in der Bude lauerte aber bereits erwartungsvoll, und so machte ich den verhängnisvollen Fehler und fragte ihn, ob er meinen Pass sehen möchte.
“Was steht denn da oben?” knurrte er mich an.
“Passkontrolle.” antwortete ich. "Und ein Symbol für nicht-EU-Bürger. Was gilt denn nun davon?"
“Beides!” bellte der Passkontrolleur, und forderte meinen Ausweis. Der Widersprüchlichkeit seiner Aussage war er sich wohl nicht bewusst, denn gerade wenn beides gegolten hätte, hätte ich als EU-Bürger meinen Ausweis eben nicht vorzuzeigen brauchen. Ich glaube, es hätte wenig Sinn gemacht, ihm das zu erklären, also zeigte ich meinen Ausweis und erfreute mich wieder der typisch deutschen Un-freundlichkeit.
Seine Kollegin in London Stansted war eher das, was ich erwartet hätte. Mit einem freundlichen Lächeln und einem warmen “Welcome” begrüßte sie jeden Fluggast und bedankte sich für den vorgelegten Ausweis.
Warum fällt es uns Deutschen nur so schwer, freundlich und respektvoll miteinander umzugehen?

