Zimtmuffin: Cinnamon auf F16 installieren
Cinnamon? Was ist denn das jetzt wieder?
Das Gnome-Team hat mit Gnome 3 primär Tablet-PCs im Blick, mit dem Ziel, die Oberfläche so weit wie möglich zu vereinfachen und für eine Bedienung mit den Fingern zu optimieren. Allerdings sorgen sie damit für Unmut bei vielen Anwendern, die Gnome auf dem Desktop-Rechner einsetzen und für die die Tablet-Optimierungen eher hinderlich sind, zum Beispiel für lange Mauswege sorgen.
Die Community von Linux Mint hat sich der Anwender, die sich von Gnome 3 nicht mehr angesprochen fühlen, angenommen. Mit Cinnamon und Muffin haben sie einen Gnome 3-Fork gestartet, der wieder die Usability auf den Desktop zurückbringen soll - “Love your Linux, Feel at Home, Get things Done!”, so ihr Credo.
Es gibt deshalb Gemeinsamkeiten, aber auch schon einige deutliche Unterschiede zwischen den beiden Systemen.
Den auffälligsten Unterschied sieht man schon beim Start: Das Panel ist nicht mehr minimalistisch und am oberen Rand, sondern ganz klassisch unten und mit Startmenü, einigen Starticons, einer Fensterleiste und Systemicons. Üblicherweise ist außerdem der Desktop mit seinen Icons wieder verfügbar. Wenn nicht, kann man es einstellen.

Eine besondere Stärke von Cinnamon ist seine Konfigurierbarkeit. In einem speziellen Bearbeitungsmodus lassen sich die Elemente in dem Panel verschieben. Und während Gnome allgemein den entgegengesetzten Weg einschlägt und mit einem optionalen Tweak Tool verschämt ein paar Stellrädchen anbietet, bringt Cinnamon gleich einen eigenen Konfigurationseditor mit, der einem das Herz höher schlagen lässt.

Neben Themes, Erweiterungen und Fensterkonfigurationen lassen sich darüber sogar Fenstereffekte wie in Compiz konfigurieren. Meiner Meinung nach eine Erwähnung wert ist auch, dass das Fenster (im Gegensatz zu den Gnome-Konfigurationsfenstern) in seiner Größe veränderbar ist.
Seit Cinnamon 1.4 haben die Entwickler die von Compiz bekannten Desktop-Effekte Scale und Expo hinzugefügt, um die Auswahl einzelner Fenster oder Arbeitsflächen zu erleichtern. Die dynamische Arbeitsflächenliste von Gnome 3, welche bei Bedarf neue Arbeitsflächen öffnet oder ungebrauchte schließt, gibt es nicht mehr. Die Entwickler beschritten stattdessen einen ganz neuen Weg: Ähnlich wie Browsertabs können bei Bedarf neue Arbeitsflächen in der Expo-Ansicht mit einem Mausklick angelegt werden, unbenötigte Arbeitsflächen von Hand geschlossen werden.

Dadurch erhält der Anwender die Kontrolle über die Arbeitsflächen wieder zurück. Dass mit dem Absturz eines Programms nun auch gleich dessen Arbeitsfläche verschwindet, gehört endlich der Vergangenheit an.
Ein weiterer, wesentlicher Unterschied zwischen Gnome und Cinnamon sind die so genannten Applets. Diese Miniprogramme können von der Cinnamon-Website heruntergeladen und in das Panel integriert werden. Sie zeigen dort zum Beispiel das Wetter oder den CPU-Status an. Extensions werden ebenfalls angeboten, sie spielen in Cinnamon aber eher eine Nebenrolle. Gnome 3-Extensions lassen sich in Cinnamon nicht verwenden.
Wie bekommt man diesen Desktop nun auf seinen Fedora-Rechner? Nun, glücklicherweise ist Cinnamon nicht auf Linux Mint beschränkt. Die Entwickler stellen ein eigenes Yum-Repository für Fedora 16 zur Verfügung. An einer Aufnahme in das offizielle Fedora-Repository wird ebenfalls gearbeitet, die Freigabe zieht sich allerdings (aus mir unverständlichen Gründen) in die Länge.
Auf absehbare Zeit wird mal also erst einmal auf das Repository von leigh123linux zurückgreifen müssen. Eingetragen wird es wie folgt:
sudo curl -o /etc/yum.repos.d/fedora-cinnamon.repo \ http://repos.fedorapeople.org/repos/leigh123linux/cinnamon/fedora-cinnamon.repo
Cinnamon wird dann einfach per yum installiert. Es empfiehlt sich, gleich noch zwei Konfigurationseditoren dazuzupacken, auch wenn sich Cinnamon bereits jetzt deutlich besser konfigurieren lässt als Gnome 3:
sudo yum install cinnamon dconf-editor gconf-editor
Jetzt muss man sich als Benutzer abmelden und beim Neuanmelden cinnamon als Sitzung auswählen. Und schon sollte Cinnamon als neuer Desktop erscheinen.
Cinnamon benutzt in der Gnome-Konfiguration einen eigenen Namensraum, um Kollisionen mit Gnome 3 zu vermeiden. Das muss man berücksichtigen, wenn man von Hand mittels gconf-editor und dconf-editor Konfigurationen umstellen möchte. Um zum Beispiel die von Gnome 3 bekannten modalen Dialoge, die sich vom oberen Fensterrand herunterrollen und nicht verschieben lassen, wieder loszuwerden, kann man folgendes Kommando aufrufen:
gconftool-2 --set /desktop/cinnamon/windows/attach_modal_dialogs --type bool false
Hier und da merkt man noch, dass Cinnamon in den Kinderschuhen steckt und noch einiges an Arbeit investiert werden muss. Wer mit Gnome 3 unzufrieden ist, sollte dennoch einmal hineinschnuppern. Die Probleme sind meist eher kosmetischer Natur. Ich persönlich konnte mich sehr schnell mit Cinnamon anfreunden und benutze es mittlerweile ausschließlich.
Bei aller Freude über Cinnamon darf man eines nicht vergessen: Es ist ein Gnome 3-Fork, im Grunde werkelt also Gnome 3 im Hintergrund. Es ist schon beeindruckend, was es könnte, wenn die Entwickler die Bedürfnisse der Desktop-Anwender nicht völlig aus den Augen verloren hätten.
Foto der Zimtstangen: Sam Mugraby, Photos8.com, CC-BY-2.0
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