Pimp my Gnome, Teil 3: Bugs und Workarounds
Gnome 3 ist noch recht jung und hat hier und da noch ein paar Ecken und Kanten, die hoffentlich bald geradegeschliffen sind. Bis dahin müssen wir uns mit so genannten Workarounds behelfen.
Der Übergang zwischen Bug und Feature ist bekanntermaßen fließend, so dass manches von dem Folgenden vielleicht besser in den Teil 2 gepasst hätte. Wie auch immer, packen wir’s an...
Num Lock
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger merkt sich Gnome 3 nicht mehr den Zustand der Num Lock-Taste. Im Gegenteil sogar: Ist der Num Lock eingerastet, nervt Gnome 3 mit entsprechenden Warnhinweisen an Passwort-Eingabefeldern. Dabei spielt der Nummernblock – insbesondere in kaufmännischen Bereichen – eine wichtige Rolle.
Zur Abhilfe hilft ein kleines, aber bewährtes Tool namens numlockx:
yum install numlockx
Ab dem nächsten Neustart des Systems wird der Num Lock beim Einloggen stets aktiviert. Konfigurierbar ist numlockx allerdings nicht. Möchte man den Num Lock doch lieber abgeschaltet lassen, muss man das Tool wieder deinstallieren.
Weitere Konfigurationsmöglichkeiten
Die Gnome Shell zeigt in seinem Konfigurationstool nur eine feste Auswahl der grundlegendsten Einstellmöglichkeiten an. Auch im Anwendungen-Bereich der Aktivitäten gibt es keine eigene Kategorie für Konfigurationsprogramme. Sie können bestenfalls per direkter Suche gefunden werden.
Der Menüeditor alacarte schafft hier Abhilfe:
yum install alacarte
Wenn man das Programm startet, kann man im Bereich “Anwendungen” auswählen, welche Programme in den Aktivitäten-Menüs angezeigt werden. Durch Setzen eines Auswahlhäkchens erscheint die Anwendung später in dem Menü. Aber auch ein Entfernen und Umsortieren ist möglich. So kann man sich nach Belieben ein übersichtliches Aktivitäten-Menü zusammenstellen.
Programme automatisch starten
Gnome 3 fehlt noch ein bequemer Weg, Programme wie Empathy nach dem Einloggen automatisch zu starten. Um dies zu erreichen, muss zuerst einmal mittels alacarte das Konfigurationswerkzeug “Startprogramme” aktiviert werden. Anschließend kann es über die Aktivitäten gestartet werden.
Unter Gnome 2 war es noch möglich, das gewünschte Programm einfach aus dem Menü direkt mit der Maus in das Startprogramme-Fenster hineinzuziehen. Leider geht das jetzt nicht mehr, so dass man wohl oder übel das Programm von Hand hinzufügen muss. Die meisten Programme wird man im /usr/bin-Verzeichnis finden. Alternativ kann man mit dem which-Kommando den Pfad herausfinden. which pidgin liefert zum Beispiel den Pfad zu Pidgin.
Wichtige Tray-Icons in das Panel legen
Die Gnome-Designer stören sich am Benachrichtungsfeld und planen, es auf lange Sicht komplett zu entfernen. Sicherlich nicht ungerechtfertigt, da so manche Anwendung meint, sich unbedingt mit einem Icon in diesem Feld verewigen zu müssen, wodurch es mit unnötigen Symbolen zugemüllt wird.
Bei Gnome 3 wird das Benachrichtungsfeld deshalb ausgeblendet. Man bekommt es nur noch zu sehen, wenn man mit der Maus in die rechte untere Bildecke fährt oder die Aktivitäten aufruft. Dadurch ist der Bildschirm aufgeräumt. Da aber auch die Tray-Icons von Instant Messengern ausgeblendet werden, übersieht man leicht, dass neue Nachrichten vorliegen.
Um das zu ändern, müssen wir uns selbst eine Extension basteln. Dafür wird zuerst ein Verzeichnis angelegt, zum Beispiel ~/.local/share/gnome-shell/extensions/tray@shredzone.de. In diesem Verzeichnis wird eine Datei extension.js mit folgendem Inhalt erzeugt:
const Panel = imports.ui.panel;
const StatusIconDispatcher = imports.ui.statusIconDispatcher;
function main() {
StatusIconDispatcher.STANDARD_TRAY_ICON_IMPLEMENTATIONS['empathy'] = 'empathy';
}
Sowie eine Datei metadata.json mit folgendem Inhalt:
{"shell-version": ["3.0"], "uuid": "tray@shredzone.de", "name": "Traypanel", "description": "Shows some tray icons in the panel"}
Nach einem Neustart von Gnome erscheint nun das Empathy-Icon oben in dem Panel. Erhält man eine Nachricht, macht es durch Blinken deutlich auf sich aufmerksam.
Durch weitere Zeilen der Art können die Icons weiterer Programme in das Panel aufgenommen werden.
Pidgin-Integration
Wer statt Empathy Pidgin bevorzugt, kann mit der Zeile
StatusIconDispatcher.STANDARD_TRAY_ICON_IMPLEMENTATIONS['pidgin'] = 'pidgin';
in der Traypanel-Extension auch das Pidgin-Icon in das Panel legen.
Eine tiefergehende Pidgin-Integration gibt es als Extension von Izhar Firdaus. Allerdings läuft sie momentan noch nicht ganz so rund wie die Empathy-Integration, da es Probleme bei der Gnome 3-Integration gibt, und wohl außerdem noch Anpassungen an Pidgin selbst notwendig sind.
Java-Anwendungen
Java hat es in Gnome 3 mit am übelsten getroffen. Bei maximierten Fenstern ist die Mausposition falsch, wodurch sich zum Beispiel Menüs nicht mehr richtig steuern lassen. Der Icon Tray funktioniert nicht richtig und die Fenstertitel sind merkwürdig (dies allerdings auch bei Python-Programmen).
Insbesondere das Problem mit der Fenstermaximierung ist bei Anwendungen wie Netbeans oder jEdit lästig. Der wohl einfachste Workaround ist, das Fenster erst einmal in die linke obere Ecke zu schieben, ohne dass es maximiert wird. In einem zweiten Schritt maximiert man es dann mit Hilfe des Fenster-Menüs oder mit Alt-F10. Alternativ kann man Gnome 3 auch im Kompatibilitätsmodus betreiben, wodurch Metacity als Window-Manager verwendet wird. Allerdings muss man dann auf die Gnome Shell verzichten.
Der Vollständigkeit halber verweise ich noch auf einen Workaround im Netbeans-Forum. Demnach soll es helfen, die System-Property apple.laf.useScreenMenuBar auf false zu setzen. Bei mir half es allerdings nicht.
In dem nächsten und erst einmal letzten Teil der “Pimp my Gnome”-Serie werde ich eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Tastaturkommandos liefern.
Comments
Super... Danke/direkt mall Twittern-Facebooken
Hallo,
das mit dem empathy tray icon funktioniert nicht ich habs genau nach anleitung gemacht habe hier gnome 3.6 mit gnome schell.
Es könnte daran liegen, dass der Artikel schon über ein Jahr alt ist.
Trage bei "shell-version" mal "3.6" ein, vielleicht geht es dann.
Ich bin mittlerweile komplett auf Cinnamon umgestiegen und habe keine Gnome 3-Installation mehr, bei der ich das ausprobieren könnte.












