Pimp my Gnome, Teil 2: Geschmacksfragen
Das Design von Gnome 3 ist wohldurchdacht. Einstellmöglichkeiten sind kaum vorgesehen, man möchte den Anwender nicht durch zu viele Einstellschrauben verwirren. So attraktiv ein einheitlicher “Desktop von der Stange” auf unerfahrene Anwender wirken mag, so abschreckender wirkt er auf Anwender, die entsprechendes Wissen haben und sich ihre Arbeitsoberfläche maßschneidern möchten.
Mit ein paar Kniffen kann man aber trotzdem Anpassungen vornehmen. Dieser Artikel beschreibt ein paar davon.
gnome-tweak-tool
Das Gnome-Team musste sich in der Beta-Phase viel Kritik zu nicht änderbaren Voreinstellungen anhören. So wurde zum Beispiel ein Notebook beim Zuklappen stets in den Bereitschafts-Modus gestellt. Um den Wunsch nach erweiterten Konfigurationsmöglichkeiten nachzukommen, wurde rechtzeitig zur Fedora 15-Release mit recht heißer Nadel ein entsprechendes Werkzeug gestrickt. Es ist in einer Standardinstallation nicht enthalten, kann aber mit
yum install gnome-tweak-tool
schnell nachinstalliert werden.
In dem Tool kann die Darstellung und das Verhalten der Fenster verändert werden. Mir persönlich gefällt zum Beispiel der graue Fenstertitel nicht, da nicht gut zu sehen ist, welches Fenster gerade fokussiert ist. Nach ein paar Klicks und dem Neustart der Gnome Shell war das von früheren Fedora-Versionen bekannte Clearlooks aktiviert. Aber auch das Verhalten der Maustasten an der Titelleiste kann angepasst werden. Und für manche vielleicht noch wichtiger: Die Maximieren- und Minimieren-Knöpfe lassen sich mit dem Tweak-Tool ebenfalls wiederherstellen.
Wer den klassischen Desktop vermisst, kann ihn über den “File Manager”-Bereich wieder zurückholen. Bei einem kurzen Test funktionierte das nicht zuverlässig; der Desktop erschien erst, wenn ein Nautilus-Fenster geöffnet wurde. Davon abgesehen ist der leere Desktop ein Kern der Gnome 3-Philosophie, so dass man vielleicht erst einmal versuchen sollte, wie gut man ohne ihn zurecht kommt. Mein eigener Desktop war unter Gnome 2 meistens mit Icons zugepflastert, so dass er sowieso unbenutzbar war, also warum eigentlich nicht?
Die GTK-, Icon- und Cursor-Themes lassen sich ebenfalls verstellen. Allerdings gibt es für das in Gnome 3 verwendete GTK 3 bisher nur das sowieso vorausgewählte Adwaita-Theme. Hoffentlich kommen bald weitere. Mir persönlich geht der von iOS entlehnte Schiebeschalter am meisten auf die Nerven, da er abgeschaltet aussieht, als sei er gesperrt, und er den Anwender auch dazu verleitet, ihn zu schieben, statt bloß mit der Maus darauf zu klicken. Außerdem würde ich kein Linux benutzen, wenn ich unbedingt den Cupertino-Look haben wollte.
Ein wenig merkwürdig ist es, dass das Tweak Tool sogar benötigt wird, um so Selbstverständlichkeiten wie Energiesparverhalten bei geschlossenem Notebook-Deckel, Zeichensätze, Hinting und Subpixel-Antialiasing zu konfigurieren. Eigentlich gehören solche Einstellungen in die Standard-Konfigurationsdialoge von Gnome, statt dem Anwender Voreinstellungen aufzuzwingen, die seiner Hardware und seiner Arbeitsweise möglicherweise nicht gerecht werden.
Modale Dialoge
Modale Dialoge sind Dialogfenster, die die Anwendung blockieren, bis der Dialog beantwortet wurde. Am bekanntesten sind Fragedialoge wie “Möchten Sie die Anwendung wirklich schließen?” oder der Dateiauswahldialog.
Bei Gnome 3 werden modale Dialoge nicht mehr als eigenes Fenster angezeigt, sondern wie ein Rollo vom oberen Rand des Hauptfensters heruntergelassen. Dadurch weiß man einerseits immer zweifelsfrei, zu welchem Fenster der Dialog gehört, andererseits lässt er sich nur noch zusammen mit dem Fenster verschieben. Werden Teile des Fensters verdeckt, die man betrachten möchte, muss man den Dialog wieder schließen, statt ihn einfach zur Seite zu schieben.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Dialoge derzeit nicht vergrößern lassen. Klickt man an den Rand des Dialogs, um die Größe zu verändern, erscheint stattdessen ein Fenstermenü.
Nach Ausführen des Kommandos
gconftool-2 --set /desktop/gnome/shell/windows/attach_modal_dialogs --type bool false
wird das alte Verhalten wiederhergestellt, modale Dialoge erscheinen dann wieder im eigenen Fenster.
Zu dünner Fensterrand
Die Fensterränder sind in Gnome 3 gerade mal ein Pixel schmal. Es fällt unheimlich schwer, den Rand mit der Maus zu treffen, um die Fenstergröße zu verändern. Einige Fenster bieten zwar in der rechten unteren Ecke eine entsprechende Zugfläche, aber nicht alle.
Finnbarr P. Murphy beschreibt in seinen sehr lesenwerten Artikeln über das Gnome 3-Customizing eine Lösung. Man öffnet dafür die Datei /usr/share/themes/Adwaita/metacity-1/metacity-theme-3.xml und ändert in dem Abschnitt frame_geometry die entsprechenden Größen ab, zum Beispiel:
<distance name="left_width" value="3" /> <distance name="right_width" value="3" /> <distance name="bottom_height" value="5" />
Nach einem Neustart von Gnome sind die Fensterränder dann etwas handlicher.
Den Gnome-Entwicklern ist das Problem bekannt. Man überlegt, den Fensterrahmen schmal zu halten, aber einen unsichtbaren, breiteren Zugrand herumzulegen. Auch wenn randlose Fenster sexy aussehen mögen, wäre es ein weiteres verstecktes Feature, das sich dem Anwender nicht auf Anhieb erschließt.
Für Fortgeschrittene
Da Gnome 3 zur Darstellung CSS verwendet, können viele Details am Theme mit einem einfachen Texteditor verändert werden. Zum Beispiel können die absurd großen Programmicons auf eine etwas angenehmere Größe gebracht werden.
Details dazu würden den Rahmen dieses Blog-Artikels sprengen. Für weitere Informationen und Beispiele möchte ich wieder auf Murphys Gnome 3-Artikel verweisen.
Am Ende dieses zweiten Teils sieht Gnome 3 bereits recht manierlich aus. Er zeigt aber auch, wie dringend ein umfangreiches Experten-Konfigurationstool benötigt wird.
Comments
Hallo,
bin noch nicht lange Linux-User-deswegen hier eine wahrscheinlich eher etwas einfache frage...:Wenn ich wie oben beschreiben den rahmen etwas breiter haben möchte und ich die werte ändere-bekomme ich nachher die Fehlermeldung das mitr die Berechtigung dazu fehle..??
Was mache ich falsch?? Fedora15
Das hätte ich tatsächlich etwas besser beschreiben können. Du musst die Datei mit Root-Rechten öffnen, also zum Beispiel in einem Terminal mit "su -" erst root werden und danach mit gedit die Datei bearbeiten.












