Nachruf an die Advance-Bank
Die Advance-Bank wird Ende Oktober aufgelöst, die Kunden werden von der Dresdner Bank einverleibt.
Die Nachricht kursierte bereits lange, dass die Verluste schreibende Allianz-Gruppe keine zwei Banken mehr halten möchte, und deshalb die Advance-Bank in die Dresdner Bank eingegliedert werden soll.
Seit gestern ist es nun offiziell: die Advance-Bank wird zum Monatsende eingestampft. Die Kunden ziehen um zur Dresdner Bank, und erhalten alles neu: Kontonummern, Maestro- und Kreditkarten, Zugangsnummern, TANs. Wie ein richtiger Bankwechsel also, abgesehen davon, dass bis Ende 2004 Überweisungen an das alte Konto noch automatisch auf das neue Konto umgeleitet werden.
Eigentlich profitiert der Kunde davon, kann er jetzt zum Beispiel die Kontoauszugsdrucker und die Vor-Ort-Berater der Dresdner Bank in Anspruch nehmen.
Dennoch ist auch bei einer Bank nicht alles Gold, was glänzt. In der Broschüre, die die Dresdner Bank den Advance-Kunden zugeschickt hat, findet sich gleich am Anfang der folgende viel versprechende Satz:
Als Kunde der Advance Bank sind Sie modernes Direkt-Banking gewöhnt. Wir freuen uns darauf, Sie künftig von den innovativen Möglichkeiten des Dresdner Multikanalbanking [...] zu überzeugen.
Ich habe mir daraufhin den Testzugang des Dresdner Onlinebankings angesehen. Den Kunden erwartet hier eine deutlich abgespeckte und optisch anspruchslose Variante von myAdvance. Es fehlt zum Beispiel eine Summe aller Kontostände, eine Customer Box oder die Möglichkeit, Überweisungsvorlagen zu speichern. Letzteres wird die Dresdner Bank jedoch nach eigener Aussage im Laufe des nächsten Jahres anbieten. Und ein Vorteil des MultikanalBanking ist es auch, Überweisungen auf Termin legen zu können, was ich bei der Advance Bank schon lange vermisst habe.
Dennoch klingt der folgende Satz aus der Broschüre wie offener Hohn in das Gesicht eines Advance-Bank-verwöhnten Kunden:
Einfache Bedienung, schnelle und transparente Navigation, höchste Standards der Datensicherheit – das Privatkundenportal der Dresdner Bank lässt keine Wünsche offen.
Auch wenn das MultikanalBanking zweifellos sicher ist und seinen Zweck erfüllt, empfinde ich den Umstieg subjektiv als einen Rückschritt, der sehr wohl Wünsche offen lässt. Ich verstehe nicht, warum die Dresdner Bank das bereits ausgereifte und technisch überlegene Portal der Advance-Bank einfach wegwirft. Auf Anfrage wurde mir jedenfalls mitgeteilt, dass es keine Pläne gäbe, das Portal zu übernehmen.
Neben dem Online-Banking gibt es noch andere Nachteile. So bietet das Dresdner GeldmarktKonto, das Equivalent zum WebZins-Konto, keine Möglichkeit mehr, das Konto zum Zahlungsverkehr zu verwenden. Man kann lediglich auf ein Referenzkonto überweisen.
Auch eine mögliche Preiserhöhung wird verschwiegen. Das Online-Konto der Dresdner Bank kostet für gewöhnlich € 5 monatlich Kontoführungsgebühr. Für Advance-Bank-Kunden wird diese Gebühr zwar bis “mindestens Ende 2004” erlassen, allerdings sind beim Online-Konto nur 30 Buchungssätze im Monat kostenlos, während es beim ZinsGiro-Konto der Advance-Bank keine Beschränkungen gab.
Fazit
Ich war fünf Jahre zufriedener Kunde der Advance-Bank. Da ich zum arbeitenden Volk gehöre, lege ich keinen Wert auf Filialen vor Ort, da sie zu meinen Zeiten sowieso immer geschlossen haben. Ich sehe es deshalb auch nicht ein, ein Filialnetz mit eigenen Kundenberatern und Marmorpaläste durch Kontoführungsgebühren zu finanzieren.
Die Advance-Bank war in der Hinsicht perfekt. Die Leistungen stimmten, das Online-Banking war hervorragend und der Kundensupport immer freundlich und kompetent.
Die Dresdner Bank bietet zwar auch Telefonservice und Cash-Group-Automaten an, aber der Umstieg auf das unkomfortablere Online-Banking der Dresdner Bank fällt schwer. Das Bekanntmachen der neuen Bankverbindung bei Freunden, Firmen und Versicherungen ist außerdem eine zusätzliche Belastung.
Ich trauere jedenfalls der Advance-Bank und ihrem hervorragenden Portal nach, und möchte mich an der Stelle bei allen Mitarbeitern der Advance-Bank bedanken. Vor allem bei denen, für die die Änderung einen Verlust ihres Jobs bedeutet.
Es ist schade, dass sich nicht die guten Sachen, sondern stets nur die guten Namen durchsetzen.
Comments
Die Übernahme der Advance-Bank hat auch für seine Angestellten kein gutes Ende. Alle 400 Mitarbeiter werden entlassen (http://www.heise.de/newsticker/data/tol-13.10.03-001/). Ich wünsche ihnen alles Gute!
Auch ich trauere der Advance-Bank als ehemaliger mitarbeiter nach, der leider seinen Job verloren hat.
Aber andererseits war es verständlich, dass nie GEwinne erwirtschaftet werden konnten, nachdem man uns Vermögensbaratern Gehälter von über 60.000 Euro bezahlt hat.












